Druckausgleich-Schwierigkeiten beim Freediving – Teil 3: Das unterschätzte „Allheilmittel“

Nach Teil 1 und Teil 2 unserer Serie über Druckausgleich-Schwierigkeiten beim Apnoe bleibt bei manchen Freitauchern eine frustrierende Erkenntnis:
Nichts hilft. Keine Übungen, keine Nasenspülung, kein Spray, keine Technik.

Was dann?

Die ehrliche Antwort lautet: Manchmal hilft nur eine Pause.
Und genau darum geht es in diesem dritten Teil.

Wenn wirklich nichts mehr funktioniert: Druckausgleich-Schwierigkeiten Apnoe

Es gibt Situationen, in denen der Körper schlicht nicht tauchfähig ist. Punkt.
Gerade nach Infekten, starken Erkältungen oder viralen Erkrankungen – etwa nach COVID-19 – reagieren die Nasenschleimhäute und Nasennebenhöhlen extrem empfindlich.

Typische Warnzeichen sind:

  • anhaltend verstopfte Nase
  • Druck oder Ziehen in Stirn- oder Kieferhöhlen
  • Blutbeimengungen im Schleim
  • Schmerzen schon in geringer Tiefe

In solchen Fällen kann es bereits zu einem Nasennebenhöhlen-Barotrauma gekommen sein. Weiterzutauchen wäre dann keine mentale Stärke, sondern schlicht ein Risiko.

Freediving funktioniert nur mit einem gesunden Druckausgleich.

Die unbequeme Wahrheit: Pausen sind Teil des Trainings

So schwer es fällt:
Wenn alle bekannten Maßnahmen versagen, bleibt nur eines:

An Land bleiben.

Keine Tiefe, kein Seil, kein „Ich probiere es nochmal“.
Denn jede weitere Reizung kann die Heilung verzögern und das Problem verlängern.

Wichtig ist in dieser Phase:

  • nichts erzwingen
  • Schleimhäute nicht weiter reizen
  • dem Körper echte Regeneration ermöglichen

Manchmal ist Nichtstun die effektivste Maßnahme.

Das paradoxe Allheilmittel: bewusst nichts machen

Viele Freediver verschlimmern ihre Probleme unbewusst, weil sie:

  • zu häufig spülen
  • ständig Druckausgleich testen
  • die Nase permanent manipulieren

Dadurch bleiben die Schleimhäute in einem Dauer-Reizzustand.
Eine gezielte Pause von allen Maßnahmen kann helfen, dass sich das Gewebe beruhigt und regeneriert.

Weniger Aktion = mehr Heilung.

Mein persönlicher Geheimtipp bei hartnäckigen Problemen

Wenn sich die Nase dauerhaft „zu“ anfühlt und klassische Methoden nicht greifen, hat sich bei mir immer wieder eine einfache, aber überraschend wirksame Maßnahme bewährt:

Laufen gehen – und bewusst durch die Nase atmen

Warum das funktioniert:

  • Erschütterung durch Bewegung
    Beim Laufen entstehen leichte Stöße im gesamten Körper, die helfen können, festsitzenden Schleim zu lösen.
  • Nasenatmung aktiviert die Schleimhäute
    Tiefe, kontrollierte Nasenatmung fördert Durchblutung und natürliche Reinigung.
  • Adrenalin öffnet die Atemwege
    Beim Ausdauertraining schüttet der Körper Adrenalin aus – die Nasengänge werden oft spürbar freier.
  • Schleim kann sich lösen und abfließen
    Entweder durch Nase oder Rachen – beides ist ein Gewinn für den Druckausgleich.

Diese Methode ersetzt keine medizinische Behandlung, kann aber ein natürlicher Impuls zur Selbstregulation sein.

Für wen dieser Ansatz besonders sinnvoll ist

  • bei dauerhaft geschwollenen Nasenschleimhäuten
  • bei diffusen Druckproblemen ohne klare Ursache
  • nach Infekten oder längeren Tauchpausen
  • wenn alles „mechanische“ nicht mehr hilft

Viele Freediver berichten, dass sich nach einigen Tagen Bewegung, frischer Luft und bewusster Nasenatmung plötzlich wieder Spielraum für den Druckausgleich ergibt.

Druckausgleich braucht Geduld – nicht Gewalt

Der wichtigste Lernpunkt aus Teil 3 lautet:

Es gibt kein echtes Allheilmittel für den Druckausgleich – außer Zeit, Regeneration und Körpergefühl.

Freediving ist kein Wettkampf gegen den eigenen Körper.
Wer zuhört, pausiert und klug reagiert, taucht langfristig tiefer, sicherer und entspannter.

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